Scythe Kro Craft Speaker Rev.B – Low Cost Kompaktboxen

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Die japanische Herstellerfirma Scythe, welche sich in den letzten Jahren vor allem mit highendigen PC- Komponenten einen Namen gemacht hat, stellt mit dem Kro Craft Speaker Rev.B bereits die zweite Version einer HiFi- Box vor, welche die „…kompakte Bauweise mit der Eleganz erwachsener Hi-Fi Lautsprecher…“ verbinden soll.


 

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Im Test sollte sich zeigen, ob das gerade einmal 50,00 Euro teure Boxenpaar den Versprechungen des Herstellers gerecht werden kann.
Wir stuften diese Box also in die Klasse 1 (Low Cost Kompaktboxen) ein und prüften sie anwendungsbezogen auf Herz und Nieren.
In dieser Boxenklasse erwartet man nicht nur einen ordentlichen Klang, sondern auch verstärkerfreundliche Anschlusswerte, eine passable Verarbeitung und ein gutes Handling, dies vor allem bei mobilem Einsatz der Lautsprecher.

Gestaltung, Verarbeitung und Handling

Mit einem Gewicht von 3,1 Kilogramm pro Box und den Maßen von 210 mm Höhe, 144 mm Breite und 250 mm Tiefe zeigt sich die Box sehr kompakt und bietet die Voraussetzung für guten Transport.
Da die Box aus klanglichen Gründen jedoch mindestens 8 cm Abstand von der rückseitigen Wand haben und auch seitlich etwas frei stehen sollte, könnte der Aufstellungsort unter Umständen kritisch werden. Auch eine Wandanbringung kann nicht ohne größeren Aufwand realisiert werden.

Das Gehäuse der Box ist aus 12 mm starken MDF- Holzplatten gefertigt und mit einer fein strukturierten schwarzen Kunststofffolie beklebt. Die Oberfläche zeigt sich robust und kratzunempfindlich.

 

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Die innere Verdrahtung ist mit ausreichendem Querschnitt und guten Klemmen versehen.

 

Die beiden Lautsprecherchassis sind zwar sauber eingepasst, die Befestigungsschrauben haben aber nur wenig halt.

Als Hochtöner dient eine 25 mm Gewebekalotte, welche sanfte Höhen verspricht. Bässe und Stimmen werden von einem 100 mm Tief- Mitteltöner abgebildet, dessen goldfarbene Membrane mit Aluminium beschichtet ist. Dieser Tief- Mitteltöner hat gegenüber der Vorgänger- Box einen wesentlich größeren Magneten, was den Mitteltonbereich verbessern und für ein präziseres Bassgefühl sorgen soll.
Leider gibt es kein Schutzgitter für die empfindlichen Lautsprechermembranen, was die Transport- und Betriebssicherheit erheblich einschränkt.

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Kondensator als Frequnzweiche

 

Als Frequenzweiche dient ein einziger Kondensator, der dem Hochtöner nur die Frequenzen zuführt, die er optimal verarbeiten kann. Eine solch einfache Anpassung zeigt aber, dass Hoch- und Tieftöner elektroakustisch offensichtlich gut zueinander passen.

Erfreulich, dass bei diesem Boxenpreis sogar vergoldet Metall- Schraubklemmen verbaut wurden.
Die Schraubklemmen zeigten sich im Test sehr praxisgerecht und nehmen problemlos Kabel bis 4 qmm Querschnitt oder 4 mm Bananenstecker auf.

Das Anschlussterminal

Das Anschlussterminal

Die beigefügten Anschlusskabel von je 2m Länge sind sehr dünn und passen daher nicht recht ins (positive) Gesamtbild des Boxen- Sets.

Sollen die Lautsprecher mobil verwendet werden, bietet sich für den Transport der Lieferkarton an, welcher sehr stabil ist, eine gute Polsterung für die Boxen besitzt und einen angenehmen Tragegriff aufweist.

 

Lieferkarton

Lieferkarton

 

 

Die Box hat durch die beschriebene Geometrie einen sicheren Stand, besitzt aber keine Gehäusefüße. Mangelnde Entkopplung zur Standfläche und Wackeltendenz sind die Folge.

Elektroakustische Eigenschaften

Aus den technischen Daten geht hervor, dass die Kro Craft Rev.B eine maximale Belastbarkeit von 20 Watt besitzt. Dieser Wert geht völlig in Ordnung, weil die Box bereits mit ca. 15 Watt Verstärkerleistung ihren Maximalpegel erreicht. Dieser Maximalpegel ist durchaus beachtlich. Ein 15 qm- Raum wird damit weit über Zimmerlautstärke beschallt.

Wir nahmen die Herstellerangabe der oberen Grenzfrequenz von 20 kHz zur Kenntnis, überprüften
aber im Praxistest die untere Grenzfrequenz der Lautsprecher, die der Hersteller mit dem beachtlichen
Wert von 58 Hz angibt.
Tatsächlich meldet sich die Box ab ca. 60 Hz deutlich zu Wort. Dies entspricht einem recht tiefen Bass,
der von Kompaktlautsprechern dieser Größe nur selten erreicht wird.

Ein guter Wirkungsgrad von Lautsprecherboxen ist dann ein wichtiges Kriterium, wenn mit Endstufen kleinerer Leistung hohe Lautstärken erzielt werden sollen.
Hier zeigt sich die Kro Craft Rev.B leider nicht von der allerbesten Seite. Im Vergleich mit der JBL
Control one spielte die Box bei gleicher Verstärkerleistung deutlich leiser. Die angegebenen
85 dB/ Wm weisen auf einen nur mittelmäßigen Wirkungsgrad hin. Verstärkerleistungen von mindestens
10 Watt RMS pro Kanal sind daher unabdingbar, will man das Klangpotenzial der Boxen abrufen.
Leider scheiden hierdurch neben kleinen Transitorendstufen auch viele Röhrenverstärker aus,
die vom Klangcharakter her sehr gut zu den Kro Craft Rev.B passen würden.

Die Impedanz der Box wird vom Hersteller mit 8 Ohm angegeben. Die messtechnische Überprüfung
ergab, dass dieser Wert weitgehend eingehalten wird. Die systembedingten Impedanzspitzen betragen
19,4 Ohm bei 120 Hz und 34,7 Ohm bei 12 kHz. Ansonsten sinkt der Impedanzwert im gesamten Frequenzbereich nicht unter 7,8 Ohm ab. Das ist ein sehr erfreuliches Ergebnis, da die Boxen keine großen Anforderungen an die Qualität der Endstufe stellen. Man hat also die Chance, auch mit LOW Cost- Verstärkern einen guten Klang zu erzielen.

Klangeigenschaften

Testbedingungen

Nachdem die Boxen fast 12 Stunden UKW- Rauschen über sich ergehen lassen mussten, erklärten wir sie als „eingespielt“.
Als Spielpartner wurde der vorzügliche Magnat- MC2 Receiver ausgewählt, welcher in der Verstärkersektion eine Röhrenvorstufe werkeln lässt und die Boxen mit einer präzisen und kraftvollen Transistorendstufe befeuert. Auch an der gnadenlos ehrlichen „CREEK Evo“- CD- Player/ Vollverstärkerkombination musste sich die Kro Craft Speaker Rev.B bewähren.
Zum Klangvergleich wurde die hochgelobte und sehr verbreitete „JBL- Control one“ – Box herangezogen. Der 14 qm große, normal bedämpfte Testraum bildete dabei die Verhältnisse von Arbeitszimmern oder kleineren Wohnräumen ab.
Hochwertige CD- Aufnahmen (u.a. der Fa. Stockfisch) aus Rock, Pop, Blues und Folk sowie Filmmusik dienten als Musikquellen.
Das Test- Team beurteilte ihre Klangerlebnisse unabhängig auf standardisierten Fragebögen.

Klangbeschreibung

Die ersten Klänge der Kro Craft Speaker Rev.B versetzten uns sofort ins Staunen. Ein so voller, kerniger Sound aus derart preisgünstigen kleinen Boxen? Fast unglaublich!
Nun ist es eine Binsenweisheit, dass die Raumakustik und der Aufstellungsort von Lautsprechern einen erheblichen Einfluss vor allem auf die Basswiedergabe haben.
Bei normaler Aufstellung im Regal mit 6 – 8 cm Wandabstand kam der Bass der Kro Craft für die meisten Musikstücke etwas „zu dick“. Damit trat die tolle Stimme von Shawn Colvin in „WHOLE NEW YOU“
zu sehr in den Hintergrund und die Trommelattacken in „satta“ von BOOZOO BAJOU wollten nicht so recht den Bauch erreichen.
Einer Eingebung folgend stellten wir die Boxen auf „den Kopf“, also mit dem Tieftöner nach oben.
Da die Box keine Füße hat, war das kein Problem und auch die Optik gefiel uns nicht schlecht.
Und siehe da: Der Bass bekam mehr Kontur und das Klangbild wurde deutlich freier!
Trotzdem war das Bassvolumen aber immer noch recht üppig. Den Bass am Klangregler des Verstärkers um 1 bis 2 Stufen absenken brachte einen ersten Erfolg.
Noch besser gefiel uns die Lösung, die schmale Bassrefexöffnung auf der Rückseite des Gehäuses mit einem 2 cm dicken Schaumstoffstreifen zu verschließen. Mit dieser Lösung und den umgedrehten Boxen kam der Bass nun klar, trocken und mit einer sehr schönen Struktur, ohne viel an Tiefe zu einzubüßen. Diese Optimierung legten wir der weiteren Klangbeurteilung zu Grunde.

Ein absolutes k.o.- Kriterien von Lautsprechern ist die Neutralität. Die Frage war also zu beantworten: Wie verfärbungsfrei klingt die preisgünstige Kro Craft Speaker Rev.B?
Hier gab es keinerlei Zweifel: Die Box klingt absolut natürlich und Verfärbungen sind kaum auszumachen. Bestehen also gute Voraussetzungen, Gesangsstimmen und Sprache gut abzubilden?
Marc Knopfler und Emmilou Harris bilden in „ALL THE ROADRUNNING“ ein mitreißendes Gesangsduo, und auch die rauchige Stimme von Joe Cocker in „FIRE IT UP“ stellen einige Anforderungen an die körperhafte Stimmendarstellung einer Lautsprecherbox.
Hier wollte uns die Kro Craft- Box aber nicht so recht überzeugen. Auch bei bassoptimierter Box
klangen vor allem Frauenstimmen in höheren Lagen zwar authentisch, aber etwas mickerig und wenig körperhaft. Dies bestätigte sich, als wir der Shawn Colvin noch einmal singen ließen.
Die Sprachverständlichkeit hingegen ist in Ordnung und gibt keinen Anlass zur Kritik.

Besonders Lob erhält die Box hingegen für die sauberen, klaren Höhen. Diese kommen ohne zu zischeln oder anderweitig zu nerven herüber und wirken angenehm zurückhaltend. Dies, ohne Entscheidendes zu verbergen.
Ein ähnlich gutes Urteil bekommt die räumliche Abbildung. Instrumente und Stimmen sind im Klangbild gut zu orten und werden glaubhaft dargestellt.
Eric Clapton’s „unplugged“ machte einfach Spaß. Man war unter den Zuhörern im Saal.
Auch bei Pegeln jenseits der Zimmerlautstärke bewahrte der Kro Craft Speaker seinen Charakter und blieb angenehm gelassen.

Vergleich mit der JBL Control one

Nach so viel Lob stellte sich nun die Frage, ob unsere Testboxen gegen die Referenz „JBL Contol one“, deren Online- Paarpreis gegenwärtig bei etwa 100,00 Euro liegt, klanglich bestehen würden.
Die Unterschiede wurden im direkten Vergleich schnell deutlich. Während die JBL zwar durchaus neutral und räumlich klang, war das Klangbild der Kro Craft in den Mitten und Höhen deutlich homogener und angenehmer. Vor allem aber hatte die JBL keine wirkliche Chance gegen den recht tiefen und trockenen Bass der Kro Craft.
Während die Kro Craft geradezu dazu auffordert, sich vor die Boxen zu setzten und die Musik schön laut zu hören, ist die JBL doch mehr dazu geeignet, als praxisorientierte und neutral klingende Box universell eingesetzt zu werden.

 

Definition der Geräte- Klasse

Klasse 1: Low Cost Kompaktboxen, Preisklasse um 100,00 Euro

Boxen dieser Klasse stehen oft am PC oder Laptop, in Regalen von Arbeits- oder Kinderzimmern, stehen oder hängen in der Küche, in Werkstätten, Gaststätten oder in Praxisräumen. Sie dienen der Klangverbesserung des Flachbild- Fernsehers und machen die MP3- Musik des Smartphons für alle hörbar.
Lautsprecher dieser Art werden oft mit Endstufen kleiner oder mittlerer Leistung in stundenlangem Dauereinsatz betrieben.
Auf Grund der Größe und des geringen Gewichtes bieten sich solche Boxen auch dafür an, mobil genutzt zu werden. Beim Umstellen oder Transportieren werden sie nicht immer sanft behandelt. Auch ist bei mobilen Einsätzen fast immer das An- und Abklemmen der Lautsprecherkabel erforderlich.

Anforderungsprofil

• angenehmer, nicht nervender Musikklang mit gutem Bass, neutrale Wiedergabe von Sprache und Gesang, gute Maximallaustärke
• robust, betriebssicher, anschlussfreundlich, standsicher, unkritischer Aufstellungsort
• guter Wirkungsgrad, verstärkerfreundlicher Impedanzverlauf

8.5 Gut

Die Kro Craft Rev. setzt klanglich in dieser Preisklasse Maßstäbe! Toller Bass, angenehme Mitten und Höhen sowie eine gute Räumlichkeit zeichnen diese Box aus. Lediglich Gesangsstimmen höherer Lagen zeigen sich etwas dünn. Die Box klingt auch bei höheren Pegeln sehr gut und ist für HiFi als auch für Filmton bestens geeignet.
Um das volle Klangpotential der Box abzurufen, empfehlen sich Verstärker von mindestens 10 Watt RMS- Leistung sowie die oben beschriebenen Maßnahmen zur Bassoptimierung. Darüber hinaus werden keine besonderen Anforderungen an die Verstärker- Endstufe gestellt.
Solide Anschlussklemmen und eine robuste Gehäuseoberfläche runden das positive Bild ab.
Mit den Boxen muss man trotzdem sehr schonend umgehen, da die Membranen nicht geschützt sind. Auch die beiliegenden Anschlusskabel überzeugen nicht.
Eine wandnahe Anbringung bietet sich nur dann an, wenn die Bassreflexöffnung (z.B. mit Schaumstoff) verschlossen wird. Wandhalterungen und Boxenfüße werden leider nicht mitgeliefert.
Letztlich erhält man mit der Kro Craft Rev. B für etwa 50 € ein überaus gut klingendes Boxenpaar, dessen universeller Einsatz allerdings eingeschränkt ist.

  • Gehäusequalität, Qualität der Materialien, Verarbeitung 8
  • Transportieren, Anschließen, Aufstellen 6
  • Wirkungsgrad 7
  • Impedanzverlauf 10
  • Bass 9,5
  • Neutralität 10
  • Räumlichkeit 9
  • Gesangsstimmen und Sprache 7,5
  • Klang bei höheren Lautstärken 10
  • Mittel- und Hochtonwiedergabe 9

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1 Kommentar

  1. Ich habe die Rev. A Version seit längerer Zeit mit dem von Scythe angebotenen kleinem Digital Verstärker im Einsatz. Für den Preis sind diese Boxen super! Viel besser als das 2.1 Pc Lautsprecher Set was ich vorher hatte. Ich merke natürlich die Grenzen der Aufstellungs möglichkeit auf dem Schreibtisch. Ich würde die Boxen gerne mal,mit nen großen Verstärker hören…wenn mal irgendwann Geld verdient wird wird wohl eher in Richtung KEF aufgerüstet.

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