JBL Control One – Universal Miniboxen

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Die JBL Control ist ein kleiner Universallautsprecher, der im Laufe ständiger Modellpflege schon fast Kult- Charakter erworben hat. Die Firma JBL by HARMAN verspricht, dass die aktuelle JBL Control one „…echten Studio-Sound auch in solchen Umgebungen ertönen lässt, wo bislang nur Wummer- Boxen anzutreffen waren.“ Auch werden Vielseitigkeit und Robustheit der Box betont. Wir waren also gespannt, ob das gegenwärtig für etwa 85 Euro (online) zu erstehende Boxenpaar den Versprechungen des Herstellers gerecht werden kann.
Die Box ist ein klassischer Vertreter der Low Cost Kompaktklasse (hifiaktuell- Klasse 1), in der man nicht nur einen ordentlichen Klang, sondern auch verstärkerfreundliche Anschlusswerte, eine passable Verarbeitung und ein gutes Handling, auch bei mobilem Einsatz, erwartet.

JBL Control one

Gestaltung, Verarbeitung und Handling

Außerordentliche kompakte Abmessungen mit den Maßen 235 mm x 159 mm x 143 mm (HxBxT) und ein geringes Gewicht von 2,4 Kilogramm pro Box bieten beste Voraussetzung für problemlosen Transport und einfache Handhabung.
Das Gehäuse der Box ist vollständig aus Kunststoff gefertigt. Großflächige Gummierungen an Ober- und Unterseite schützen die Flächen und gewähren einen rutschfesten Stand.
Solide Schraubverbindungen, passgenaue Einzelkomponenten und abgedichtete Stoßflächen der Gehäuseteile unterstreichen die sehr gute Verarbeitungsqualität der JBL Contol one.

Gehäuse und Verarbeitung der Box machen einen außerordentlich soliden Eindruck

Gehäuse und Verarbeitung der Box machen einen außerordentlich soliden Eindruck

Die Front ist komplett mit einem kleidsamen Metall- Schutzgitter bestückt, welches sich durch Aufstecken, beziehungsweise Abziehen des Rahmens problemlos anbringen und wieder entfernen lässt.

Das aufsteckbare Schutzgitter

Das aufsteckbare Schutzgitter

Leider mussten wir feststellen, dass der Schutzgitter-Rahmen nicht wirklich fest auf der Box sitzt. Bei gekippter Wandanbringung könnte es passieren, dass sich der Rahmen löst und das Schutzgitter herabfällt. Begünstigt wird dies durch Vibrationen, die zum Beispiel bei hohen Lautstärken entstehen. Es empfiehlt sich also, den Schutzgitter- Rahmen im nicht sichtbaren Bereich zusätzlich durch einen Klebestreifen oder dergleichen zu fixieren.

Eine einfach zu montierende Wandhalterung wird für jede Box mitgeliefert, sodass dem Betriebsort der Boxen fast keine Grenzen gesetzt sind. Das kleine Metallseil sichert die Box vor dem Herabstürzen.

Die Box mit gesicherter Wandhalterung

Die Box mit gesicherter Wandhalterung

Das Anschlussterminal besteht aus zwei praxisgerechten, stabilen Klemmanschlüssen, welche Leitungsquerschnitte bis 4 qmm problemlos aufnehmen können. Die innere Verdrahtung ist mit isolierten Steckverbindungen versehen.

Steckverbindungen

Steckverbindungen

Das Anschlussterminal

Das Anschlussterminal

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf der Innenseite des Terminals ist die Frequenzweiche angebracht. Aufbau und Verarbeitung der Weiche sind vorbildlich. Eine einfache aber wirkungsvolle Lösung: Die kleine Glühlampe auf der der Frequenzweichen- Platine schützt die Lautsprecher vor Überlastung

Glühlampe als Überlastungsschutz

Glühlampe als Überlastungsschutz

Die Frequenzweiche der JBL Control

Die Frequenzweiche der JBL Control

 

 

 

 

 

 

 

 

Durch die (nach vorn gerichtete) Bassreflexöffnung outet sich die JBL Control  letztlich als 2- Wege- Bassreflexbox.
Bässe und tiefere Stimmen werden von einem 100 mm Tief- Mitteltöner abgebildet, der magnetisch abgeschirmt ist. Somit verursacht das starke magnetische Feld des Lautsprechers keinerlei Probleme in äußeren Umgebungen

Der magnetisch abgeschirmte 100 mm Tief- Mitteltöner

Der magnetisch abgeschirmte 100 mm Tief- Mitteltöner

Der 25mm Titanal- Hochtöner

Der 12 mm Titanal- Hochtöner

Rückseite des Hochtöners

Rückseite des Hochtöners

 

 

 

 

 

 

 

 

Sollen die Lautsprecher mobil verwendet werden, bietet sich für den Transport der Lieferkarton an. Dieser ist stabil und die Boxen finden in den Styroporschalen halt.
Die Box hat durch die beschriebene Geometrie und Ausstattung einen sicheren Stand. Guten Halt und variable Ausrichtung werden auch durch die stabile Wandhalterung gewährt. Gehäusefüße wurden in unserem Test nicht vermisst, da die Gummierung der Standfläche offensichtlich zur Entkopplung ausreicht.

 

Elektroakustische Eigenschaften

Aus den technischen Daten geht hervor, dass die JBL Control one eine RMS-
Belastbarkeit von 50 Watt besitzt. Dies ist für eine derart kleine Box ein erstaunlicher Wert,
der dauerhaft hohe Lautstärkepegel bei hoher Betriebssicherheit verspricht.
Im Test zeigte sich, dass der Maximalpegel dieser kleinen Monitorbox als fast
brachial zu bezeichnen ist. Partylautstärken auch in größeren Räumen stellen für den
Lautsprecher kein Problem dar. Dabei bleibt der Klang recht neutral und neigt keineswegs
zu Verzerrungen.

Bei der Überprüfung des Pegel- Frequenzganges nahmen wir die Angabe der oberen
Grenzfrequenz von 20 kHz zur Kenntnis und konzentrierten uns auf den Bass- Einsatz.
Unsere Messungen in einem normal bedämpften Raum ergaben dabei eine untere Grenzfrequenz von etwa 100 Hz bei -10dB beziehungsweise 120 Hz bei -3dB Lautstärkeabfall.
Diese Werte sind, auch bezogen auf die Abmessungen der Box, eher durchschnittlich.
Ein außergewöhnlich tiefer Bass ist demnach nicht zu erwarten.

Anders verhält es sich mit dem Wirkungsgrad der JBL. Die angegebenen 89 dB/W/m stellen für
eine Box dieser Größe einen bemerkenswert guten Wert dar. In unserem Test genügten magere 2 Watt Verstärkerleistung, um einen 14 qm- Raum mit gehobener Zimmerlautstärke zu beschallen. Mit diesem Wirkungsgrad kommen für die Box auch kleine Röhrenverstärker als Spielpartner in Betracht.

Ob der Eigenwiderstand der JBL ebenfalls verstärkerfreundlich ausfällt, sollte die
Messung des Impedanzverlaufes zeigen. Die systembedingte Impedanzspitze betrug in
unserer Überprüfung 19,8 Ohm bei 4 kHz. Der durchschnittliche Impedanzwert, auf welchen
die meisten Frequenzen bei dieser Box treffen, liegt zwischen 5,5 und 6 Ohm.
Das Impedanzminimum sinkt bei keiner Frequenz unter 3,6 Ohm ab, wodurch sich die Control One auch hier weitgehend verstärkerunkritisch zeigt. Allerdings sind die Schwankungen im gesamten Impedanzverlauf schon beträchtlich, was sich beim Betrieb mit Röhrenverstärkern klanglich ungünstig auswirken kann.

 

Klangeigenschaften

Testbedingungen
Nach fast 12 Stunden Einspielzeit mit UKW- Rauschen erklärten wir die Boxen als „eingespielt“.
Als Spielpartner wurde der vorzügliche Magnat- MC2 Receiver ausgewählt, welcher durch die Röhrenvorstufe ein Schuss Wärme ins Klangbild bringt. Auch an der gradlinigen „CREEK Evo“- CD- Player/ Vollverstärkerkombination musste sich die JBL Control one bewähren.
Der 14 qm große, normal bedämpfte Testraum bildete dabei die Verhältnisse von Arbeitszimmern oder kleineren Wohnräumen ab.
Hochwertige CD- Aufnahmen (u.a. der Fa. Stockfisch) aus Rock, Pop, Blues und Folk sowie Filmmusik dienten als Musikquellen. Die Boxen standen dabei frei in einem Regal, leicht parallel vom Hörplatz weggerichtet.
Das Test- Team beurteilte ihre Klangerlebnisse unabhängig auf standardisierten Fragebögen.

Klangbeschreibung
Zum „Einhören“ legten wir zunächst die harman/kardon Test- CD  „Platinum Pop“ (Genesis, Kate Busch u.a.) in den Player und verschafften uns so einen ersten Eindruck vom Klangcharakter der JBL Control one.
Deutliche und klare Gesangsstimmen, harmonisch eingepasste Höhen bei guter Neutralität und hoher Lebendigkeit deuteten die Stärken der Box an.
Trotzdem wollte uns der Klang nicht so recht begeistern: Dem Klangbild fehlte es an Bassvolumen.
Eine deutliche Verbesserung zeigte sich, nachdem wir die Boxen direkt an die Wand gerückt hatten. Leider wurde das dadurch erhöhte Bassvolumen nun durch weniger Basskontur erkauft.
Trotzdem gewann das Klangbild durch diese Maßnahme neben der Bassbetonung auch leicht an Authentizität und Räumlichkeit.
Wir griffen nun zu der hervorragend produzierten Stockfisch- CD „moonstruck“ und ließen Chris Jones im Track „long after youre gone“ freien Lauf. Dieses Stück erzeugt in einer hochwertigen HiFi- Kette bei den Zuhöreren normalerweise eine Gänsehaut, verursacht durch die atemberaubende Dynamik der Aufnahme.
Bei der JBL wollte dies aber nicht so recht gelingen. Trotz erhöhter Lautstärke blieb das Stück recht flach und wirkte etwas blass.
Die Stimme von Marc Knopfler in „kill to get crimson“ kam da schon besser rüber und wirkte rund und durchaus ausdrucksstark. In einigen komplexeren Passagen verlor die Box jedoch etwas die Kontrolle über das Klanggeschehen.
Frauenstimmen höherer Lagen konnten uns wiederum nicht so recht überzeugen. So wurde zum Beispiel June Carters Stimme in „JACKSON“ doch etwas spitz und wenig körperhaft abgebildet. Allerdings blieb die Stimme klar und gut verständlich.
Dem Monitorcharakter folgend verbirgt die JBL Control im Klanggeschehen so gut wie nichts. Dies kommt vor allem auch der Sprachverständlichkeit zugute. Selbst Redebeiträge im guten alten UKW waren von beeindruckender Deutlichkeit.
Nun war die Frage zu beantworten: Wie verfärbungsfrei klingt die kleine JBL?
Hier gab die Box ein insgesamt überzeugendes Bild ab. Klangverfärbungen waren nur bedingt auszumachen. Ob Gitarren- oder Klavierklänge, Trommeln oder Gesang, die JBL bildete alles recht natürlich ab.
Die räumliche Abbildung hingegen wusste nicht voll zu überzeugen. Die Ortung von Instrumenten und Stimmen  verbesserte sich deutlich, als wir einen kleinen Subwoofer mitspielen ließen. Hierdurch erlangte das Boxenpärchen insgesamt einen beträchtlichen Klangschub, was HiFi und Filmbegleitung zum Genuss werden ließ.
Ein besonderes Attribut der JBL Control one ist ohne Zweifel der sehr ausgeprägte Mittel- Hochtonbereich, welcher u.a. für die gute Verständlichkeit von Sprache und Gesang verantwortlich ist. Die Qualität der tonalen Darstellung wird jedoch durch den etwas „metallenen“ Klang der Höhen und den zu präsenten Mitten limitiert. So klingen hohe Töne vor allem in Dur- Passagen manchmal etwas zu „frech“ und eine Verbindung der Mitten mit dem Bassbereich will nicht recht gelingen. Insgesamt ist dies aber „Klagen auf hohem (Preis- Leistungs-) Niveau“.

 

Fazit

Das Versprechen des Herstellers, das die JBL Control One „…echten Studio-Sound auch in solchen Umgebungen ertönen lässt, wo bislang nur Wummer- Boxen anzutreffen waren.“, wird voll erfüllt. Der Klangcharakter der Box wird von einem prägnanten Mittel-/ Hochtonbereich bestimmt, wodurch die Box sehr lebendig und neutral klingt. Bassvolumen und Basstiefe zeigen sich jedoch etwas bescheiden. Das Klangbild der Box gewinnt deutlich an Qualität, wenn ein passender Subwoofer mitspielen darf.
Durch den guten Wirkungsgrad und den weitgehend unkritischen Impedanzverlauf lässt sich die Box auch von Transistor- Verstärkern mit kleinen Ausgangsleistungen problemlos betreiben.
Sollen allerdings Verstärker mit Röhren- Endstufen zum Einsatz kommen, empfiehlt vorher ein Hörtest.
Die hervorragenden praktischen Eigenschaften der Box machen die JBL Control letztlich zu einem Lautsprecher, dessen Einsatzbereich fast unbegrenzt ist.

8.3 gut (2,2)
  • Qualität der Materialien/ Verarbeitungsqualität 9
  • Transportieren, Anschließen, Aufstellen 10
  • Wirkungsgrad 8
  • Impedanzverlauf 8
  • Bassqualität 6
  • Neutralität 9
  • Räumlichkeit 7
  • Gesangsstimmen und Sprache 8
  • Klang bei höheren Lautstärken 10
  • Höhendarstellung 8

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